Hervorgehoben

Kämpfer der Roten Ruhrarmee in Dortmund, März 1920. Szene aus dem Ruhraufstand 1920, auch Märzaufstand genannt.

„Wir lernen eine ganze Welt kennen: Zechen und Hütten, Hochzeiten und Kneipenversammlungen, Feldzüge und Schlachten, Vorlesungen über Kants »Kritik der reinen Vernunft« und Liebesgeflüster, wir gehen auf die Wochenmärkte, befinden uns im Reichskanzleramt und beim Reichspräsidenten, auch in der Reichsbank und auf einem Industriellentreffen…“

Oliver Baer in: Sprachnachrichten 1/2024

„Der Autor lässt nicht nur die Großen, die Generäle und die Fabrikanten zu Wort kommen, sondern auch die kleinen Leute, die Arbeiter, die Frauen. Das macht dieses ebenso figuren- wie facettenreiche, souverän erzählte Buch so bemerkenswert.“

Volker Jacob in: Westfalenspiegel 3/2024

„Hensel lässt uns eintauchen in eine Zeit, in der arbeitende Menschen für ihre Rechte kämpften und sich gegen eine drohende Militärdiktatur auflehnten. Der Roman erzählt vom Reichswehrputsch im März 1920, dem folgenden Generalstreik und dem Aufstand der Arbeiter im Ruhrgebiet. Durch die sorgfältige Recherche und die lebendige Sprache des Autors werden die Ereignisse dieser Zeit greifbar und lebendig.“

Kamen-Web 11.4.2024

„Dieses gewaltige Panorama, das alle wesentlichen Kräfte der damaligen Zeit vorstellt – Freunde, Feinde und auch unsichere Verbündete –, ist nie unübersichtlich. In den knapp drei Wochen der Handlungszeit des Romans, in diesem atemlosen An- und Abrollen der Kampfwogen der Arbeiter und ihrer faschistischen Feinde, entrollt sich auch ein reportagehaftes Gemälde der Arbeits- und Lebens­bedingungen des Ruhrproletariats.“

Rote Fahne News 9.1.2025

Die Sach- und Menschenkenntnis des Autors

Aus Walter Krämers Rezension: Ein monumentaler Staatsroman

Der Roman lebt von vielen Dingen. Da sind zum einen die gekonnten Charakterzeichnungen seiner zahlreichen Protagonisten. Etwa Reichskommissar Severing, der „hohe Bevollmächtigte der abgesetzten Regierung für so etwas wie Aufstandsangelegenheiten.“ Der ist zu Besuch bei General Watter in Münster und trinkt mit diesem Kaffee.

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Eine Besichtigung des Massengrabs

Aus Walter Krämers Rezension: Ein monumentaler Staatsroman

Der dritte Band setzt das meisterhafte Episodenporträt des sozialen Wesens Ruhrgebiets 1920 mit teils bekannten, teils neuen Schauplätzen inklusive einiger Exkursionen in weiter entfernte Winkel dieser Erde fort: die Karfreitagsmesse des Atheisten Dr. Rinkendeel („Denn heute war es nach drei Jahren wieder so weit, dass am Nachmittag in der väterlichen Pauluskirche die Johannespassion aufgeführt werden würde“), eine Hochzeitsgesellschaft bei Frau Katharina in der Kantorei (von Hensel so detailgetreu und lebendig geschildert, als hätte er selbst Jahrzehnte in der Gastronomie gearbeitet), ein Jahrmarkt, als wäre nichts gewesen, in einer Parallelwelt jenseits von Mord und Totschlag, ein Besuch des Hauptmanns Röhm in einem Kohlenflöz. Auch hier ist in jeder Zeile zu riechen und zu spüren, dass Horst Hensel als Kind des Ruhrgebiets sehr gut weiß, wovon er schreibt. Geradezu kabarettreif ist das Ehepaar Röderberg aus Köln, Claire und Pitter, die mal kurz vorbeischauen um sich das Schlachtfeld von Pelkum als Touristen anzuschauen:

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Dann wird es richtig Krieg

Aus Walter Krämers Rezension: Ein monumentaler Staatsroman

Der zweite Band beginnt mit dem verhängnisvollen Zug einer Vorhut des Freikorps Lichtschlag von Münster nach Wetter an der Ruhr. Dort soll es den inzwischen – nach zwei Tagen – von der legalen Reichsregierung verbotenen Streik beenden. Die Soldaten werden aber angegriffen, zehn von Ihnen und ihr Kompanieführer sterben, der Rest wird gefangengenommen.

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Der Generalstreik beginnt

Aus Walter Krämers Rezension: Ein monumentaler Staatsroman

In Hensels Buch beginnt diese epische Auseinandersetzung zwischen Kapital und Arbeit auf Seite 47. Der Arzt Dr. Rinkendeel, Schüler des Mediziners Rudolf Virchow, trifft sich mit Kommerzienrat Kerzenschein in „Schäfers Kantorei“ (später meistens nur noch „Kantorei“) zum Mittagessen. Diese ist sozusagen das geometrische Zentrum des Romans, zu dem die Handlung immer wieder zurückkehrt. Die Wirtin, für alle inklusive des Autors immer nur respektvoll „Frau Katharina“, verwitwete Frau Felgenhauer, verkörpert den bürgerlichen „Normalmenschen“, der sich so gut und anständig er kann in guten wie in bösen Zeiten durchzuschlagen sucht. So beantragt sie noch mitten im Kampfgetöse einen Kredit zur Aufhübschung ihres Anwesens.

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Ein monumentaler Staatsroman

Horst Hensels Salz und Eisen

Von Walter Krämer

In: Literatur in Westfalen, Band 21, Bielefeld 2025, S. 335-342

In der Malerei heißt das „Pointillismus“: „Eine Stilrichtung des Neoimpressionismus, bei deren Malerei mit ungemischten Farbtupfern sich die Mischung der Farben erst optisch vollzieht.“ Die Gesamtwirkung entsteht mit etwas Abstand, aus zahllosen Detailimpressionen, so wie bei diesem monumentalen, mehr als 1000 Seiten starken dreibändigen Werk von Horst Hensel. In hunderten meisterhaft geschilderter Einzelszenen, dann doch wieder durch Personen und Orte vielfältig verflochten, entfaltet sich vor unserem Auge eine riesige Momentaufnahme des Sozialwesens Ruhrgebiet 1921, das an Realismus kaum zu überbietende Panorama einer städtisch-ständischen Nachkriegsgesellschaft inmitten eines neuen Krieges, der aus Sicht der Nachwelt keiner war: Der Aufstand des Ruhrgebiets gegen den Kapp-Putsch und die Reichswehr vom März und April 1920.

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Am Schlammkohlebecken

Das Abtragen von Schlammkohle sowie das Betreten und Baden in der Kläranlage ist bei Strafe streng verboten. Die Zechenverwaltung.

Jakob schüttelte den Kopf: Baden im Schlammkohlebecken! Wem galt denn das Schild? Den Lastwagenfahrern hin zur Zeche? Die Zeile Gebüsch und Geschlinge endete, die Piste bog scharf nach rechts ab und Rinkendeel sagte: „Na, so was!“ Der Maschendrahtzaun um das Absetzbecken war wegseitig hochgezogen. Im Becken befanden sich zwei Dutzend Männer und Jungen in Unterhosen oder Lendenschurzen. Einige tauchten unter, um zu gründeln. Andere wateten zum Rand, in den Händen Tücher, Säcke, Körbe oder Eimer gefüllt mit triefenden Klumpen der Minderkohle, zwei, drei trugen auf ihren Unterarmen große Flatschen und gerollte Lagen von fest verbackenem Kohlenschlamm aus dem tiefen Grund. Alle klatschten ihre Beute auf die Matsche des Randstreifens. Auf dem warteten in einer langen Reihe Frauen, Mädchen, kleine Jungen und alte Männer darauf, den Kohlenschlamm aufzuraffen und in Handwagen oder zweirädrige Karren zu werfen, die längs des Zauns die Lehmpiste entlang standen. Ihre Werkelei galt einem Brennmaterial, das die Wohngelasse verqualmen würde. Jetzt setzten sich zwei der Handwagen in Bewegung, ein jeder gezogen von einer Frau in einer Kleidung, von der Jakob nicht zu sagen gewusst hätte, ob sie aus Rock und Bluse mit übergeworfenem Kittel bestand, aus einem Kleid mit einer Schürze oder lediglich aus mehreren übereinander gezogenen Leinen- oder Jutesäcken. Die Kleidung der Frauen war schwarz verschmiert. Sie gingen barfuß. Füße und Unterschenkel waren verdreckt. Aus den Wagen und Karren rinnsalte dunkles Wasser und zog eine Spur ihres Wegs. Jakob näherte sich in langsamer Fahrt den hinteren der Wagen, stützte dabei manchmal das Motorrad mit den Füßen ab. Eine zierliche Frau hing schräg nach vorn an der Deichsel und zog rasselnd atmend ihre Last. Jakob fuhr vorbei und näherte sich zwei kleinen Mädchen in schlammigen Unterhemden und Schlüpfern, die sich mit gestreckten Armen gegen das Rückbrett eines Handwagens stemmten und dem Gefährt mit seinen schlingernden, quietschenden Rädern Schub verliehen. Die Frau an der Deichsel knickte bei jedem Linksschritt ein, so, als bereitete ihr das Gehen mit diesem Bein Schmerzen oder als hätte sie links keine Kraft. Zog sie den Wagen durch eine Pfützengrube, stieß sie einen summenden Laut aus. Die Mädchen sahen nicht auf, als Jakob an ihnen vorbeifuhr. Niemand sah zu ihnen hin. Es war, als bewegten sie sich durch eine Gruppe von Scheingeschöpfen.

Horst Hensel: Salz und Eisen. Band 1: Am Schlammkohlebecken. Im Vorwerk (Auszug)

Buchbesprechung Horst Hensel: Salz & Eisen

Rote Fahne News

Rote Fahne News schrieb am 9. Januar 2025:

„Der Ruhrkampf 1920 mit der Roten Ruhrarmee zur Abwehr des Kapp-Putsches ist eines der heroischsten Kapitel der an heroischen Kapiteln wahrlich nicht armen Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.

Horst Hensel, in den 1970er-Jahren des vorigen Jahrhunderts Sprecher des „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“, hat es unternommen, den Verlauf dieses Kampfes, seinen Aufschwung, vorübergehenden Sieg und seine Niederschlagung in einem gewichtigen Epos darzustellen.

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Buchtipp: „Salz & Eisen“ von Horst Hensel

Kamen-Web schrieb am 11. April 2024:

„In seinem eindrucksvollen Werk „Salz & Eisen“ entführt uns der Autor Horst Hensel in die Wirren des vergessenen Bürgerkriegs im Ruhrgebiet im Frühjahr 1920. Mit über tausend Seiten spannt Hensel einen gewaltigen Erzählbogen, der nicht nur historische Ereignisse aufgreift, sondern auch das Schicksal gewöhnlicher Menschen in außergewöhnlichen Zeiten beleuchtet.

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Ein episches Großwerk

„Hier haben wir es mit einem epischen Großwerk zu tun, einer deutschen Geschichtserzählung, die ihresgleichen sucht. {…} Mit diesem mehr als 1000-seitigen Roman erinnert {Horst Hensel} an den heute sehr zu Unrecht vergessenen Bürgerkrieg im Frühjahr 1920. {…} Der Autor lässt nicht nur die Großen, die Generäle und die Fabrikanten zu Wort kommen, sondern auch die kleinen Leute, die Arbeiter, die Frauen. Das macht dieses ebenso figuren- wie facettenreiche, souverän erzählte Buch so bemerkenswert {…}.“

Volker Jacob: Aufstand im Ruhrgebiet. In: Westfalenspiegel 3/2024, S. 53